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Interview mit Dr.-Ing. Markus Wetzel - Mitglied des Vorstandes der BVPI - zur Notwendigkeit der bautechnischen Prüfung

Frage: Herr Dr. Wetzel, Ihre Vereinigung behauptet, durch die unabhängige bautechnische Prüfung können Schadensrisiken hinsichtlich der Standsicherheit und des Brandschutzes von Bauwerken wesentlich verringert werden. Was berechtigt Sie zu dieser Aussage?

Dr. Wetzel: Bauwerke sind Unikate oder Prototypen und werden häufig unter (sehr) schwierigen Bedingungen (Geologie, Umwelt, Zeit- und Kostendruck etc.) geplant und errichtet. Das Fehlerpotential und damit das bautechnische Sicherheitsrisiko sind hier ungleich größer als bei industriellen Serienprodukten.

Beim Bauen muss also mit großer Sorgfalt auf Sicherheit hingearbeitet werden. Deshalb müssen Planer, Baufirmen, Bauaufsichtsbehörden und natürlich auch die Bauherren in allen Phasen der Planung und Ausführung von Bauwerken beste Fachkunde, größte Sorgfalt und höchste Verantwortlichkeit sicherstellen.

Weil aber selbst hochqualifizierten und erfahrenen Ingenieuren sicherheitsrelevante Irrtümer und Fehler unterlaufen können, brauchen alle am Bau Beteiligten zusätzlich unabhängige Experten in Form der Prüfingenieure, die das Tun und Handeln am Bau unter dem Aspekt der Sicherheit fachkritisch begleiten und die Vermeidung und Verhinderung jedweder Fehlerquellen als ihr oberstes Auftragsziel ansehen.

Wir wissen, dass die meisten Sicherheitsrisiken und Bauschäden aus menschlichen Fehlern oder falsch beurteilten Randbedingungen resultieren. Deshalb ist eine unabhängige Kontrolle unersetzlich.

Kontrolle schafft Sicherheit

Frage: Herr Dr. Wetzel, der Preiswettbewerb stellt auch im Baubereich oberste Handlungsmaxime der Marktbeteiligten dar. Was sind Ihre Beobachtungen aus der Baupraxis und welche Auswirkungen hat dieses Handlungsprinzip auf die Sicherheit und die Qualität unserer Bauwerke?

Dr. Wetzel: Die Wirtschaftlichkeit seines Bauprojektes ist ein berechtigtes Ziel jeden Auftraggebers/Investors. Unter diesem Diktat wird er aber häufig dazu verleitet, bei Ausschreibungen prinzipiell das billigste Angebot auszuwählen. „Geiz ist geil“ ist aber ein gewaltiger Irrtum, der teuer zu stehen kommt, denn leider zeigt sich in solchen Fällen oft und meistens schadensträchtig, dass billig teuer wird. Dazu muss man wissen, dass mit den billigsten Angeboten in der Regel auch deutlich höhere Folgekosten und verlängerte Terminabläufe verbunden sind. Denn die nach maximalem Profit strebende Praxis, auf der Baustelle mit Sub- und Subsubunternehmern, mit ungelernten Arbeitern oder mit dem Verzicht auf projektbezogene Planungen Geld zu sparen, geht immer zu Lasten von Sorgfalt, Fehlerfreiheit und Qualität und führt zwangsläufig zu Sicherheitsrisiken.

Kostendruck erhöht Risiken

Um für den Bau und den Betrieb eines Projekts funktionale und wirtschaftliche Optima zu erreichen, sind allerdings akademisch geschulte geistig schöpferische Leistungen für Planung, bautechnische Prüfung und Überwachung sowie ein ausreichendes Zeitkonto und eine angemessene Honorierung dieser Leistungen obligatorisch. Wenn man diese Kosten einsparen oder minimieren will, wird man als Bauherr erfahrungsgemäß aber wesentlich schlechtere Planungsunterlagen erhalten und damit viel mehr fehlerrelevante Risiken in Kauf nehmen müssen.

Die zunehmenden wirtschaftlichen Zwänge führen bei zurückgehender staatlicher Kontrolle dazu, dass „Grenzen“ überschritten werden und das Risiko für Schäden Unbeteiligter steigt.

Eigenverantwortung ersetzt keine gesetzlichen Vorschriften

Frage: Herr Dr. Wetzel, der deregulierende Staat zieht sich immer mehr aus der Verantwortung zur Gefahrenprävention im Bausektor zurück und überträgt diese der Eigenverantwortung des Bauherrn. Welche Risiken sehen Sie in dieser Entwicklung?

Dr. Wetzel: In der Wirtschaftspolitik und so auch im Baubereich scheint nach wie vor das Credo vorzuherrschen, auf die präventive Durchsetzung gesetzter Rechtsvorschriften verzichten zu können, weil Fehlverhalten im Nachhinein ja Gerichte entscheiden können.
So wurden Bau- und Vergabeordnungen, öffentliche Kontrollmechanismen zur Sicherstellung von Sicherheit und Qualität durch Gesetzesnovellierungen verdrängt. Durch den Stellenabbau in den öffentlichen Bauverwaltungen fehlt es an der notwendigen fachlichen Kompetenz.
Dem unkundigen privaten Bauherr oder Investor, der in der Regel wirtschaftliche Interessen verfolgt, wird die Gesamtverantwortung für das gesamte Verfahren übertragen und damit auch die Verantwortung für die Sicherheit von Gebäuden, seinen Nutzern, Bewohnern, Besuchern usw.. Zur Erfüllung dieser Aufgabe braucht er klare, stringente, zielorientierte Gesetze, Normen und Vorschriften, die ihm einerseits Rechtssicherheit und andererseits ein festes Korsett bewährter bautechnischer Regeln und Richtlinien bieten. Ergänzend und darüber hinaus sollte er fachkundige dienstleistende oder öffentlich-rechtlich beauftragte Experten engagieren, die darüber wachen, dass geforderte Sicherheitsanforderungen präzise erfüllt und nicht aus Unkenntnis, Bequemlichkeit oder wirtschaftlicher Gründe wegen umgangen oder missachtet werden.

Diese Experten findet er in unserer Vereinigung!