Internationaler Dialog im Rahmen der IRCC Jahrestagung

01.11.2025

Welche Regelungen braucht das Bauen der Zukunft und wie können sie Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Innovationsfreundlichkeit unterstützen? Diese Leitfragen standen im Zentrum eines Fachdialogs, den das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) am 8. Oktober 2025 im Rahmen der Jahrestagung des Jurisdictional Regulatory Collaboration Committee (IRCC)* in Berlin zahlreiche Experten und Regelsetzer aus dreizehn Ländern zusammengebracht hat. Die Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik war – als assoziiertes IRCC-Mitglied – ebenfalls eingeladen und durch Vorstandsbeirat Dr.-Ing. Martin Rudolph und BVPI-Geschäftsführer Henning Dettmer vertreten. Diskutiert wurde die Frage, wie innovative Bauprodukte und Bauweisen in bauaufsichtliche Systeme eingebaut werden können und, vor allem, wie die richtige Balance zwischen Regulierung und Eigenverantwortung gehalten werden kann.

Der erste Veranstaltungstag wurde für die Abarbeitung verbandsinterner Themen und für den Erfahrungsaustausch über die unterschiedlichen bauordnungsrechtlichen Regulierungssysteme genutzt. So stellten unter anderem die Vertreter Österreichs, Kanadas, Japans, der Niederlande, Schottlands, Singapurs und Schwedens ihre jeweiligen regulatorischen Systeme und die Bemühungen vor, die sie für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung, der Nachhaltigkeit, der Kostenreduzierung und der Überregulierung unternehmen.

Der zweite Veranstaltungstag stand unter der Überschrift „Regulation Transformation“ und bot die Möglichkeit, die Anforderungen an eine Transformation der bestehenden Regulierungssysteme hin zu schnellerem, kostengünstigerem und nachhaltigerem Bauen im Rahmen eines größeren Teilnehmerkreises zu diskutieren. Betont wurde in den Diskussionsbeiträgen häufig, dass nicht mehr, sondern weniger Regulierung nötig sei, um die politisch vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Einigkeit bestand allerdings auch darüber, dass eine quantitative Reduktion von gesetzlichen und untergesetzlichen Vorgaben nicht der richtige Weg sein könne. Vielmehr müsse mit Augenmaß definiert werden, welche Vorgaben als unverzichtbar einzuordnen sind und auf welche tatsächlich verzichtet werden kann. Das Ergebnis der Transformation dürfe sich aber auf keinen Fall in höheren Schadensoder Fehlerquoten niederschlagen.
Im Ergebnis waren sich die Veranstaltungsteilnehmer einig, dass die Transformation der bestehenden Regulierungssysteme als dringende und große Aufgabe wahrgenommen werden müsse. Der internationale Erfahrungsaustausch könne zweifellos einen wertvollen Beitrag zur erfolgreichen Transformation leisten.

Am Vortag des IRCC-Meetings hatte in kleiner Runde ein reger Austausch von BVPI-Vertretern mit Vertretern der Building and Control Authority (BCA) aus Singapur stattgefunden. Im Rahmen des Treffens erfolgte unter anderem eine gegenseitige Vorstellung der Prüfsysteme in Deutschland und Singapur. Die Vertreter aus Singapur zeigten sich dabei sehr beeindruckt von dem in Deutschland praktizierten Vier-Augen-Prinzip durch die Prüfingenieure und Prüfsachverständigen, und sie hinterließen die Botschaft, dass in Singapur an der Einführung eines vergleichbaren Systems
gearbeitet werde. Der diesbezügliche Informations- und Erfahrungsaustauch zwischen
der BCA und der BVPI soll fortgeführt werden.

*Das IRCC ist eine unabhängige internationale Organisation, die die weltweite Förderung eines gemeinsamen Verständnisses und eines globalen Rahmens für die Entwicklung praxisbezogener, sozialverträglicher Regulierungssysteme betreibt.